Die Ego-State-Therapie, ein hoch effizienter psychotherapeutischer Ansatz, basiert auf der Annahme, dass die Persönlichkeit (aller Menschen) nicht aus einem homogenen Ganzen, sondern aus verschiedenen Anteilen, den Ego-States besteht. Der Ego-State-Therapeut arbeitet direkt mit jenem Persönlichkeitsanteil, dem Veränderung gerade am meisten nützt, statt nur auf der intellektuellen Ebene über das Problem zu reden.

Wir alle haben viele verschiedene Ego-States; ein jeder dieser Teile hat seine eigenen Macht- oder Ohnmachtsgefühle, Emotionen, Denkweisen und Fähigkeiten, seine eigenen Persönlichkeitszüge. Wenn wir sagen „Ein Teil von mir“, reden wir über einen Ego-State.“ Die verschiedenen Ich-Zustände bringen Farbe in unser Leben und bereichern es. Ein schmerzvoller, leidender Ego-State hingegen kann Unruhe und unerwünschte emotionale Reaktionen zur Folge haben. Wenn zwei Ego-States miteinander in Konflikt sind, fühlen wir uns zerrissen oder haben Mühe, eine Entscheidung zu treffen.

Wir werden nicht mit unseren Ego-States geboren, sondern erschaffen diese im Laufe unseres Lebens. Ego-States entstehen, wenn wir etwas immer und immer wieder tun. Durch häufige Wiederholungen einer Tätigkeit entstehen nämlich im Gehirn Nervenbahnen mit spezifischen Emotionen, Fähigkeiten und Lebenserfahrungen.

Wenn ein Kind z.B. seiner Mutter eine Tasse Tee bringt und dafür gelobt und umarmt wird, wird es später seiner Mutter oder auch anderen Personen etwas zuliebe tun, wenn es Zuwendung braucht. Erlebt das Kind immer wieder diese positiven 2 Reaktionen auf sein „nährendes“ Handeln, wird es einen nährenden Ego-State entwickeln.

Wenn es später im Leben mit andern verbunden sein möchte, wird wohl dieser nährende Teil aktiv werden, Gefühle und Handlungen werden nährender Natur sein, bei einigen Mitmenschen mehr als bei anderen. Wenn ein Kind Zuwendung will und einen Witz macht oder etwas Lustiges tut und dies immer wieder mit einer positiven Reaktion belohnt wird, über Monate und Jahre, kann sich ein witziger, Spaßmacher-Ego State entwickeln. Wird jedoch das Kind, wenn es einen Witz erzählt, zum Schweigen gebracht, wird es das Witze erzählen künftig unterlassen.

So entwickelt ein jeder seine ihm eigenen Ego-States, abhängig von den jeweiligen Lebenserfahrungen und den Menschen, die ihn beeinflussen.

Häufige Wiederholungen von Handlungen erzeugen Hirnwachstum: es entstehen Nervenbahnen, Ego-States. Wir wechseln in einen Ego-State oder Ich-Zustand, wenn wir diesen brauchen. Wenn ein verletzter Teil an die Verletzung erinnert wird, kann er aktiv werden, weil er versucht, eine Lösung zu finden. Dann werden wir unter Umständen plötzlich von negativen Gefühlen überflutet.

Unser Gehirn besteht aus Nervenzellen. Bei der Geburt sind Millionen davon vorhanden. Sie können durch Verletzung oder Altern verloren gehen. Zum Glück gibt es viele davon – und – wir können sie trainieren. Das Gehirn ist plastisch. Es kann wachsen, wir können sowohl neue Nervenzellen als auch neue Verbindungen zwischen ihnen bilden. Das Gehirn wächst also durch Stimulation.

Ego-States entstehen also durch stetes Wieder-Ausführen einer Tätigkeit: aufgrund der häufigen Wiederholungen entwickeln sich spezifische Nervenbahnen und Nervenverbindungen, Ego-States. Ein Ego-State ist also ein physischer Teil des menschlichen Gehirns, nämlich ein Strang von Nervenfasern, welche für ganz spezifische Fähigkeiten und Emotionen trainiert wurden. Unsere Ego-States sind unsere Ressourcen, welche wir je nach Bedürfnis herholen können. Sie heißen Ego-States, weil wir uns in jedem Zustand als „ich“ empfinden (Ich-Identität). Jeder Mensch hat seine eigenen speziellen, selbst gebildeten und trainierten Ich-Zustände, deren Zusammensetzung einzigartig ist, auch wenn sich die einzelnen Ego-States durchaus ähnlich sein können.

  • Es sollen Ich-Zustände gefunden werden, die Schmerz, Trauma, Wut oder Frustration verbergen; diesen soll dann geholfen werden, sich davon zu befreien, indem sie Gelegenheit haben, sich auszudrücken und indem sie getröstet, geschützt und gestärkt werden.
  • Die Kommunikation zwischen den Ich-Zuständen soll ermöglicht oder verbessert werden (die Aussage: „Ich hasse mich, wenn ich so bin!“ deutet darauf hin, dass da zwei Ego-States nicht gut zusammenarbeiten bzw. sich gegenseitig nicht schätzen).
  • Den Klient:innen soll geholfen werden, ihre Ego-States kennen zu lernen, damit sie sich diese besser zunutze machen können (dass sie z.B. lernen, in einer entspannten Situation für emotionale Erfahrungen offen zu sein, bei Druck oder Bedrohung sich aber abzugrenzen und zu wehren).